„Lumme“, eine Imperial aus Schweden bekommt ein neues Deck

Auf Empfehlung eines langjährigen Kunden haben sich die Eigner dieses Serienklassikers aus dem Jahre 1965 im Sommer ’25 an uns gewendet. Nachdem die Imperial erworben wurde hat sich nach mehreren Segelsommern herausgestellt dass es mit kleinen, punktuellen Reparaturen nicht getan ist. Eine erste Inaugenscheinnahme von uns ergab das mehrere Decks- und Stichbalken gebrochen waren. Das Teakdeck war undicht und somit auch das darunterliegende Sperrholzdeck in Mitleidenschaft gezogen; bis hin zu einem angegammelten Steven sowie diversen Rottstellen im Balkweger um Püttinge und Beschläge. Ansonsten fanden wir im Heck noch vereinzelte gebrochene Spanten sowie, um es nicht zu vergessen, einen Motor der einer Überholung bedurfte…

Nach der Saison kam das Boot dann im Spätsommer zu uns; lag so lange es möglich war abgetakelt hier im Ancker-Hafen im Wasser und ist dann Anfang Oktober zu uns in die Werft gekommen. Hier begannen dann die eigentlichen Arbeiten – vollständiges Leerräumen, Beschlagsdemontage und Abriss des alten Decks. Damit hatten wir einen uneingeschränkten Einblick in den Zustand des Innenlebens ! Der Motor konnte von der Firma Kiesows zur Überholung ausgebaut werden und wir konnten erkennen dass leider nicht nur 10 oder 12 Spanten gebrochen waren sondern 62 !!

Um ein Austrocknen des Rumpfes zu verhindern haben wir das Boot und auch ein zweites Holz-Projekt, das zeitgleich bei uns in der Halles bearbeitet wurde, mit Planen abgehängt und die Rümpfe regelmäßig gewässert – der Erfolg dieses Aufwands zeigte sich dann Monate später, als wir beide Schiffe zurück ins Wasser kranen konnten ….

 

Um die Situation des offenen Bootes auszunutzen begannen wir mit der Reparatur der Spanten; pro Tag 2 bis 2 1/2 Spanten … das macht mit zwei Bootsbauern 15 volle Arbeitstage. Es folgten die kaputten Decksbalken, diverse Unterzüge für Klampen und Beschläge, neue Rüsteisen für die Wanten, Knie und Schlingen(-Stücke),…..“Nebenbei“ musste der Rumpf an mehreren Plankenstößen ausgeleistet werden. Zudem wurden alle Borddurchlässe samt Seeventilen, etc. getauscht.

 

Nachdem all diese Reparaturen abgehakt und alles im Boot angemalt und geschützt war, begannen wir mit dem Sperrholzdeck. Schablonen bauen, Sperrholz zuschneiden, anpassen und trocken verlegen. Danach alle Felder zwischen den Decksbalken weiß Lackieren und letztendlich das finale Legen des Sperrholzdecks. Um offene Schnittkanten zu vermeiden haben wir dem gesamten Deck einen Umleimer aus Mahagonie verpasst; der später wiederum durch die unlackierte Kambalafußreling versteckt wurde.

 

Ein seperates Projekt war die Wiederherstellung der Lukengarage. Um ein Solarparneel zu tragen wurde die Garage mit Mahagonie verbreitert und überfuniert… Auf original Rissen ist zu sehen, dass die Garage weiß war und deutlich schöner dimensioniert. Zusammen mit Undichtigkeiten kamen wir daher mit den Eignern überein diesen Zustand wieder herszustellen. Nach dem Abriss des Holzes erkannten wir dass die original Garage nicht mehr tragend war, sie musste also verstärkt werden. Am Ende sind wir dem Original ein gutes Stück näher gekommen …

 

 

Da wir auch bei diesem Refit die Kosten in einem vertretbaren Rahmen halten mussten haben wir, wie schon bei anderen Projekten, mit der Firma Mobiler Bootsbau aus Brandenburg zusammengearbeitet und von ihnen ein fertiges, auf „Lumme“ konfiguriertes Teakdeck bekommen. Nach finalen Anpassarbeiten vor Ort haben wir dieses im Vakkumverfahren mit Epoxidharz auf das Sperrholz geklebt….

 

In einem kleinen Zwischenschritt haben wir auf klarlackierten Flächen Lackausbesserungen vorgenommen und alles einmal Endlackiert.

Jetzt wurden nicht nur die Tage wieder länger. Es wurde auch langsam Zeit neben Beschlägen, Wichenpodesten und neuer Fußreling den Motor wieder einzubauen. Hierfür mussten wir zusammen mit der Firma Kiesow ein neues Fundament bauen und zusätzlich noch ein Edelstahl-Wiederlager für den Pytondrive mit Bodenwragen und Außenhaut verbolzen.

Am Ende hat sich all unsere Arbeit und auch das Geld wirklich gelohnt. Die Eigner sind zufrieden denn „Lumme“ segelt steif und schnell durch Ost- und Nordsee, die Maschine tut ihren Dienst ohne Animositäten und es kommt kein Tropfen Wasser mehr ins Schiff. Es war ein zeitaufwändiges Projekt mit mehreren mehr oder weniger bösen Überraschungen – wobei wir es dennoch geschafft haben das prognostizierte Zeitfenster einzuhalten.

 

Es freut uns einen weiteren Klassiker mit unserer Arbeit weiter übers Meer segeln zu lassen und wir wünschen den Eignern immer eine handbreit Wasser unterm Kiel und viel Spaß mit ihrem schönen Schiff !